Medizinische Qualität messbar machen
Dr. med. Darius Madjdpour
Ärztlicher Co-Direktor und Mitgründer

Wann waren Sie das letzte Mal selbst bei einem Arzt? Entsprach der Besuch Ihrer Vorstellung von medizinischer Qualität
Ich war vor kurzer Zeit in einer fliegerärztlichen Routineuntersuchung. Diese lief wie erwartet ab, speditiv und freundlich und in angemessener Qualität.
Was ist für Sie als Ärztlicher Co-Direktor Qualität in der medizinischen Versorgung?
Wenn die Ärztin für den Patienten die nach aktuellem wissenschaftlichem Stand bestmögliche medizinische Versorgung auswählt und dabei nicht die menschliche Seite aus den Augen verliert.
Wie geht Gutblick zur Messung der Qualität vor?
Wir ziehen das unabhängige Marktforschungsinstitut Marketagent für Patientenbefragungen bei. Zudem analysieren wir, ob Patient:innen uns verlassen und warum. Für die häufigsten Operationen messen wir ergänzend die Komplikationsrate. Diese systematische Erfassung wurde mit unseren operierenden Augenärzt:innen entwickelt. Denn nur wenn alle gleich vorgehen und die Komplikationen identisch dokumentieren, lassen sich die Daten auch vergleichen. Jede Komplikation wird manuell durch die Augenärzt:innen überprüft und in einem zentralen Messinstrument erfasst.
Wie fliessen Gutblicks Qualitätsdaten in die tägliche Arbeit ein?
Die Komplikationen werden – natürlich anonymisiert – zu Lernzwecken in regelmässigen sogenannten Peer-to-Peer-Meetings besprochen, an denen unsere Augenärzt:innen zusammenkommen. Denn der Sinn einer präzisen Qualitätsdokumentation ist in erster Linie eben nicht, der Welt zu zeigen, wie toll wir sind. Sondern es zu ermöglichen, von unseren eigenen Fehlern zu lernen und die Qualität kontinuierlich zu steigern und die Komplikationsrate zu senken.
Wie sieht das bei Spezialfällen aus?
Unsere Ärzt:innen sind über alle unsere Standorte sehr gut vernetzt. Sie tauschen sich ständig über Spezialfälle aus. So haben wir für jedes Spezialgebiet eine verantwortliche Spezialistin oder einen verantwortlichen Spezialisten. Ist sich eine Ärztin bezüglich einer Diagnose oder Therapie unsicher, kann sie einfach digital den entsprechenden Spezialisten um Mitbeurteilung bitten. Wichtig ist auch, dass diese Spezialfälle dann gut dokumentiert werden, damit wir uns beim nächsten ähnlichen Fall darauf beziehen können. So stellen wir sicher, dass wir Patient:innen bestmöglich behandeln. Zudem führen wir regelmässig interne Fachpodien durch, wo wir die aktuellen Behandlungsrichtlinien immer auf dem neusten Stand halten.

Die Dokumentation spielt also eine grosse Rolle, bringt allerdings Aufwand mit sich.
Investieren Ärzt:innen ihre Zeit nicht besser in Patient:innen statt in Papierkram?
Dokumentation ist ein Grundbestandteil der ärztlichen Leistung. Es ist aber in der Tat eine Herausforderung, denn jede Ärztin möchte die Zeit lieber mit dem Patienten verbringen anstatt mit den scheinbar lästigen Dokumentationen. Jedoch kann ohne Dokumentation auch der Krankheits- und Heilungsverlauf nicht nachvollzogen werden und somit ist auch keine adäquate Behandlung möglich. Da wir fast ausschliesslich digital arbeiten, verlieren wir hier so wenig Zeit wie möglich. Zudem reicht es nicht aus, dass wir behaupten, exzellente Augenmedizin anzubieten, sondern wir müssen dies auch beweisen – mit Qualitätskennzahlen, die nun mal einen Extra Aufwand erfordern.
Birgt die Dokumentation nicht auch das Risiko, dass die persönliche Beziehung der Ärztin oder des Arztes zu den Patient:innen schwindet?
Qualitätsmessungen sowie Dokumentation und eine enge Patientenbetreuung schliessen einander nicht aus. Es ist aber ein zweischneidiges Schwert. Allgemein gibt es in der Medizin immer mehr Maschinen und Geräte, die den Ärzt:innen verschiedene Messungen abnehmen. Dadurch lässt sich Zeit einsparen, die in den persönlichen Kontakt mit Patient:innen investiert wird. Andersrum darf man vor lauter Maschinen und Messresultaten den Menschen nicht ausblenden. Auch wenn wir uns als Augenärzt:innen «nur» um die Augen kümmern, steckt dahinter immer ein Mensch mit Gefühlen und Fragen.
Hat speziell in der persönlichen Patientenbeziehung, aber auch generell in Sachen Qualität ein privater Verbund gegenüber einer öffentlichen Klinik einen Vorteil?
In der Klinik wechselt die medizinische Ansprechperson häufig, was bei uns im privaten Verbund seltener der Fall ist. Dies führt dazu, dass die Ärztin bei uns immer bestens die Geschichte ihres Patienten kennt und ihn somit rasch, ohne lange Abklärungen bestmöglich diagnostizieren und behandeln kann. Zudem gestaltet sich die Atmosphäre familiärer und persönlicher mit deutlich geringerer Wartezeit für Patient:innen. Insgesamt fühlen sich Patient:innen nach unserer Einschätzung in unserer Umgebung wohler.
Werden Mitarbeitende auch speziell rekrutiert, um ein gleiches Verständnis von Qualität sicherzustellen?
Im Bewerbungsprozess prüfen wir potenzielle neue Ärzt:innen wortwörtlich auf Herz und Hirn. Beim Probearbeiten achten wir speziell auf den Umgang mit Patient:innen. Uns ist eine offene, kommunikative und freundliche Haltung sehr wichtig. Ausserdem stellen wir durch eine fachliche Prüfung sicher, dass die medizinischen Kenntnisse auf dem neuesten Stand sind. Beide Aspekte zusammen führen zur bestmöglichen Patientenbetreuung.
Zu guter Letzt: Wie sieht es mit Weiterbildungen aus?
Die tragen sicherlich auch massgeblich zur Behandlungsqualität bei. Weiterbildungen sind für Ärzt:innen allgemein sehr wichtig. Wer den Arztberuf kompetent ausüben möchte, bildet sich ein Leben lang fort. Das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF), ein Organ der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), gibt daher auch vor, wie viele Fortbildungen Ärzt:innen besuchen müssen, um ihre Tätigkeit als Fachärztin oder Facharzt weiterhin ausüben zu dürfen. Unter den Gutblick-Ärzt:innen sind Fortbildungen sehr beliebt und werden aktiv von der Geschäftsleitung gefördert. Allen Ärzt:innen stehen 10 bezahlte Weiterbildungstage pro Jahr zu, was in unserer Branche überdurchschnittlich ist.
