Augenheilkunde 2.0:
Zwischen Forschung, KI und Praxis

Seit 1. März 2023 forscht Gutblick unter «Gutblick Research» und seit Herbst 2025 führt Gutblick Research selbst klinische Studien durch. Prof. Dr. Dr. Marion Munk, leitende Ärztin Gutblick Research, zeigt auf, wie Forschung dazu beiträgt, Patient:innen modernste sowie wissenschaftlich fundierte Therapien zugänglich zu machen und wie die Zukunft aussehen könnte.
Was macht Sie besonders stolz, wenn Sie auf die Entwicklung von Gutblick Research in den letzten zwei Jahren zurückblicken?
Gutblick Research hat sich innerhalb von zwei Jahren zu einem der aktivsten ophthalmologischen Forschungsnetzwerke der Schweiz entwickelt. Unser dezentraler Aufbau erlaubt es uns, gemeinsam mit Patient:innen aus allen Regionen der Schweiz zu forschen und Studien zeitnah umzusetzen. An allen Standorten arbeiten geschulte Teams (GCP-Zertifizierung) nach festgelegten Forschungsstandards (Research-SOPs). Dadurch können wir auf internationalem Niveau forschen, in enger Kooperation mit Universitäten, der Industrie und anderen Forschungseinrichtungen. Ich bin stolz darauf, dass Gutblick Research ein verlässlicher Partner ist – klinisch, wissenschaftlich und menschlich.
- Fakten und Zahlen rund um Gutblick Research
4 Mitarbeitende in der Forschungsabteilung
> 50 Publikationen in führenden Fachjournalen
55 Studienpatient:innen
4 Forschungszentren
3 laufende multizentrische internationale Studien
Wie schnell gelangen die Erkenntnisse aus den Ergebnissen Ihrer Arbeit in die Versorgung der Patient:innen?
Unser Ziel ist, dass Forschung und Patientenversorgung Hand in Hand gehen – wir sagen dazu «bench-to-bedside». Neue Erkenntnisse fliessen oft innerhalb weniger Monate in den klinischen Alltag ein. Durch unsere klinischen Studien können Patient:innen von neuen Therapieansätzen profitieren – oft bevor diese woanders verfügbar sind. Ein Beispiel ist die aktuelle «ONL-Galaxy»-Studie für Patient:innen mit geografischer Atrophie (fortschreitende Netzhauterkrankung): Hier setzen wir ein Medikament ein, welches das weitere Wachstum der Läsionen einschränken soll und in Europa aktuell nur unter streng regulierten Studienbedingungen erhältlich ist. Bei Gutblick erfolgt der Einsatz ausschliesslich nach klar definierten Sicherheitsvorgaben und unter enger ärztlicher Begleitung. So profitieren Patient:innen von innovativen Behandlungen, die unsere Ärzt:innen verantwortungsvoll nach dem neuesten Stand der Wissenschaft einsetzen.
Welche aktuellen (Mega-)Trends nehmen Sie in der Augenheilkunde wahr?
Allen voran verändert die Künstliche Intelligenz (KI) die Augenheilkunde: Sie unterstützt uns schon heute bei Diagnostik, Prognose und Therapieentscheidungen. Medizinische Beurteilungen und Entscheidungen bleiben weiterhin in der ärztlichen Verantwortung – KI ersetzt sie nicht, sondern dient als zusätzliches Werkzeug. Studien wie die von Wu et al. (2025) belegen, dass die Genauigkeit der Diagnostik bei Ärzt:innen, die trainierte Modelle zur Unterstützung einsetzen, um bis zu 20 % steigt. Mit KI-Systemen wie Easy Eye FM, Retfound oder RetinAI Discovery können wir Krankheitsverläufe modellieren, Therapien individualisieren und sogenannte «Foundational Models» (KI-Modelle, die aus vielen Daten lernen und darauf aufbauend eingesetzt werden) entwickeln, die auf die Schweizer Bevölkerung zugeschnitten sind. Damit einher geht der Wandel zur personalisierten Medizin: Dank grosser Datenmengen und intelligenter Auswertungen können wir Behandlungen immer gezielter auf einzelne Patient:innen abstimmen. Zudem gewinnt die neuroadaptive Rehabilitation an Bedeutung, z. B. wird in unserem Projekt mit Dandelion KI-basierte Stimulation genutzt, um die visuelle Verarbeitung und damit die Sehfunktion bei Patient:innen mit starker Sehbeeinträchtigung zu verbessern.
Was zeichnet Gutblick Research aus?
Sicherlich die enge Verbindung zwischen Forschung, Industrie und Praxis. Wir zeigen, dass Spitzenforschung auch im niedergelassenen Umfeld möglich ist – mit höchsten Qualitätsstandards, effizient und patientennah. Die wöchentlichen Anfragen von internationalen Kolleg:innen, die mit uns zusammenarbeiten möchten, bestätigen die Attraktivität von Gutblick Research. Ausserdem legen wir grossen Wert auf Wissensvermittlung: Unser Team hält zahlreiche nationale und internationale Fachvorträge, organisiert Fortbildungen und gestaltet das wissenschaftliche Programm grosser Kongresse. Forschung bedeutet für uns also nicht nur, Neues zu entdecken, sondern auch, Wissen zu teilen und Kolleg:innen zu inspirieren.
Wo sehen Sie die Augenheilkunde in 10 Jahren?
Ich bin überzeugt, dass die Augenheilkunde in zehn Jahren noch stärker daten- und präventionsorientiert sein wird. Wir werden Krankheiten nicht mehr nur behandeln, sondern ihren Verlauf vorhersagen und verhindern können. KI und Bildgebung werden dabei eine Schlüsselrolle spielen – von der Früherkennung über die Therapieplanung bis hin zur Langzeitbetreuung.
Wie sieht die optimale Patientenversorgung für Sie aus?
Für mich bedeutet optimale Patientenversorgung, dass alle Menschen Zugang zu modernster Diagnostik und Therapie haben, unabhängig davon, wo sie leben oder welche Ressourcen ihnen zur Verfügung stehen. Ebenso wichtig ist eine frühe und präzise Diagnose, auch bei seltenen Krankheitsbildern, bei denen es heute leider noch häufig zu Verzögerungen oder Fehlbehandlungen kommt.
Ich wünsche mir eine Medizin, in der wir mit Echtzeitdaten und vernetzten Systemen arbeiten und Erkenntnisse aus Forschung und Klinik unmittelbar zusammenfliessen. Und vor allem wünsche ich mir, dass uns Technologie und Effizienzsteigerung nicht von den Patient:innen entfernen, sondern uns mehr Zeit für sie schenken. Denn am Ende bleibt der persönliche Kontakt das Herz jeder guten Medizin

